Gielisch Kolleg Transport 2016: Binnenschifffahrt und Warentransport

Im September 2016 hat das dritte Gielisch Kolleg Transport stattgefunden. Mehr als 100 Vertreter von Versicherungen, Maklern und Industrieunternehmen nahmen an beiden Veranstaltungstagen an den Fachvorträgen teil und nutzten darüber hinaus die Gelegenheit mit den Anwesenden aus der Branche ins Gespräch zu kommen. Insbesondere die Abendveranstaltung in der Düsseldorfer Altstadt wurde ausgiebig zum Networking genutzt.

 

 

Programmrückblick des Gielisch Kollegs Transport 2016

Schwerpunkt Binnenschifffahrt


Am ersten Veranstaltungstag ging es mit einem halbtägigen Programm ausschließlich um das Thema Binnenschifffahrt. Frank Wittig, Vorsitzender der Schifferbörse zu Duisburg e.V., stellte das 2015 gegründete Schiedsgericht für die Binnenschifffahrt vor. Das Schiedsgericht ermöglicht außerhalb der üblichen Gerichtsverfahren eine schnelle und kostengünstige Entscheidungsfindung. Die dort geführten Verfahren enden mit einem verbindlichen Schiedsspruch in der ersten und einzigen Instanz. Dem Schiedsgericht gehören 40 freiwillige Schiedsrichter an, die von den Beteiligten selbst ausgewählt werden können. Tim von Lintel, C. Gielisch GmbH,  schilderte die Abwicklung  einer Havarie Grosse und die in diesem Zusammenhang anfallenden Aufgaben des Havariekommissars. Im Havariefall schätzt der Havariekommissar die Lage vor Ort ein und stimmt alle erforderlichen Maßnahmen mit den Beteiligten ab. Als eine besondere Herausforderung sieht Tim von Lintel die kurzfristige Organisation der geeigneten Rettungsmaßnahmen, um die Gefahr für Schiff und Ladung möglichst gering zu halten.  Im Rahmen der Havarie Grosse bestimmt der Havariekommissar dann die Havarie Grosse Kosten gemäß Passiv- und Aktivmasse, die nach Erstellen der Dispache abgerechnet werden. Gerrit Bedet, Marine Safety Advisor bei NautiServ, erörterte die vielfältigen Herausforderungen des Transports von Gefahrgut in der Tankschifffahrt. Dabei ging es u.a. um Vorschriften für die Besatzung, die Ausrüstung der Tankschiffe sowie die unterschiedlichen Kennzeichnungsvorschriften und Regularien.

 

 

Schwerpunkt Warentransport: Temperaturgeführte Güter und Gefahrguttransporte

 

Am zweiten Veranstaltungstag stand der Transport von temperaturgeführten Gütern und Gefahrgütern im Mittelpunkt der Vorträge. Jens-Hinrich Weber, Leiter Transportschaden Niederlassung Düsseldorf der AXA Versicherung AG, führte in die Thematik ein und diskutierte den Interessenbegriff in der Transportversicherung. Neben der Abgrenzung des Interesses in der Privatversicherung und der Transportversicherung wurden an Hand zahlreicher Beispiele die Problempunkte dargestellt. Wie sich die Gefahrgutvorschriften im Laufe der Zeit entwickelt haben, schilderte Thorsten Pütz von green duck in einer spannenden und plakativen Zeitreise durch ADR und weitere Regularien, beginnend 1796 bis heute. Darüber hinaus stellte Thorsten Pütz die unterschiedlichen Einteilungen in Gefahrgutklassen und deren bildliche Darstellung im nationalen und internationalen Güterverkehr vor. Die Entstehung des ADR und die jüngsten Weiterentwicklungen wurden anhand von einschneidenden Schadenfällen wie zum Beispiel dem Brand des Campingplatzes in Los Alfaques infolge einer Füllgrad-Missachtung und dem Unfall in Herborn sowie verschiedenen Unfällen in Tunneln dokumentiert. Klaus Wessing, Bereichsleiter Logistik der Helm AG, schilderte wie ein global tätiges Chemie Marketingunternehmen mit der Herausforderung von Gefahrguttransporten umgeht. Die Helm AG kooperiert ausschließlich mit Logistikdienstleistern und legt somit besonderen Wert auf Schulungen und entsprechende Ladungskontrollen. Eine besondere Herausforderung sind die unterschiedlichen Gefahrgutklassifizierungen im internationalen Güterverkehr und die Einhaltung von Muss-Vorschriften, die in einigen Ländern teilweise als Kann-Vorschriften umgesetzt werden. Um dem zu begegnen,  hat das Unternehmen in einigen Ländern eigene Ladungskontrolleure installiert. Auch der Wareneingang in Hamburg wird nochmals von eigenen Ladungskontrolleuren abgenommen. Emilia Poljakov, Dangerous Goods Manager bei Alfred Talke GmbH & Co. KG, führte die Teilnehmer in die Welt der Tankzüge für Gefahrgüter ein. Sie stellte verschiedene Tankbautypen vor, präsentierte Exponate und erklärte Zulassungsvoraussetzungen. Es folgte ein Überblick über Tankschilder und Tafeln sowie Informationen dazu, welche Stoffe in welchen Tanks transportiert werden dürfen. Markus Ebest, zuständig für Risk Engineering Marine bei der HDI Risk Consulting GmbH (HRC) schlug die Brücke zur Risikobeurteilung, insbesondere bei Arzneimitteln. „Verstehe deinen Kunden und sein Geschäft und kenne dein Risiko“ so lauten laut Markus Ebest die wichtigsten Pfeiler beim Risikomanagement. Wie die Vorgehensweise beim Risikomanagement für Arzneimittel konkret aussieht, schilderte er detailliert und erläuterte dies an zahlreichen Praxisbeispielen. Immer wieder kam hier insbesondere der Risikofaktor der Supply Chain zur Sprache. Entlang der Supply Chain werden zur Sicherung der Temperatur seit vielen Jahren erfolgreich Datenlogger eingesetzt. Wie die Verwendung von Datenloggern genau aussieht und welche Typen von Datenloggern zum Einsatz kommen, erörterte Dirk Johann Meyer, Elpro Messtechnik GmbH. Die mitgebrachten Musterexemplare konnten von allen Teilnehmern ausgiebig studiert werden. Trotz verschiedener Maßnahmen zur Sicherung von Gefahrguttransporten kommt es immer wieder zu Schadenfällen. In seiner Funktion als Sachverständiger schilderte Axel Radke, C. Gielisch GmbH, an verschiedenen Schadenbeispielen typische Schadenmuster und gab Hinweise, wie Schäden zu vermeiden sind und worauf man beim Transport solcher Güter gefasst sein muss.

Programmflyer Gielisch Kolleg Transport 2016